Was ist Kieferorthopädie und warum ist sie gut?
Kieferorthopädie ist ein Teilbereich der Zahnmedizin. Dieser befasst sich mit der Vorbeugung, Früherkennung, Verhütung und Behandlung von Zahn- und Kieferfehlstellungen und beugt Karies und Parodontose vor. Das Ziel ist die Wiederherstellung einer für den Patienten und dessen Zähne optimalen Kaufunktion. Gerade Zähne haben einen maßgeblichen Einfluss auf unsere Gesundheit und Lebensqualität, denn falsch stehende Zähne behindern eine gründliche Zahnreinigung und erhöhen so das Risiko von Karies und Parodontose. Ein falscher Biss kann unter anderem zu erschwertem Abbeißen, Verspannungen, Schwindel, Verdauungs- und Hörstörungen führen. Nicht zuletzt sind schöne Zähne ein wichtiger Aspekt für unsere Zukunft. Wir erhalten durch sie mehr Selbstbewusstsein und werden für unser Leben gestärkt.
Wann ist der richtige Zeitpunkt?
Wann eine kieferorthopädische Behandlung begonnen wird, ist individuell abhängig von Wachstum, Zahnwechsel und Art der Fehlstellung.

Kieferorthopädische Frühbehandlungen werden im Milchgebiss oder frühen Wechselgebiss im Alter von ca. 5-9 Jahren bei ausgeprägten Zahnfehlstellungen durchgeführt. Ein rechtzeitiger Beginn vermeidet häufig teure, behandlungsaufwendige und meist komplizierte kieferorthopädische Behandlungen im höheren Alter.

Bei funktionskieferorthopädischen Behandlungen von Kindern und Jugendlichen, d.h. bei Korrekturen falscher Bisslagen und Zahnfehlstellungskorrekturen ist das Wachstum entscheidend für eine erfolgreiche Kieferumstellung. Die Behandlungen sollten daher vor dem pubertären Wachstumsschub begonnen werden. Dieser ist bei Mädchen meist zwischen 11 und 13 Jahren, bei Jungen hingegen oft erst zwischen 13 und 15 Jahren. Auch sollte nach Möglichkeit eine nötige Behandlung vor Abschluss des Zahnwechsels (es sollten also noch Milchzähne vorhanden sein) erfolgen, da somit Platzdefizite vermieden bzw. eingeschränkt werden können.
Wie ist der Ablauf?
Der erste Termin in unserer Praxis ist ein ausführliches Beratungsgespräch bei dem wir nach umfangreicher Begutachtung der Zähne und Prüfung der Leistungspflicht der gesetzlichen Krankenkassen, Ihnen Auskunft über Art, Dauer und ggf. Kosten der Behandlung erteilen.

Sollten Sie sich für eine Behandlung in unserer Praxis entscheiden, werden die für die Behandlungsplanung notwendigen Unterlagen erstellt. Diese bestehen aus einer Abformung des Ober-und Unterkiefers, Fotografien des Gesichts und 2 Röntgenaufnahmen. Nach der Auswertung dieser Unterlagen wird ein individuell auf Sie, bzw. Ihr Kind abgestimmtes ganzheitliches Behandlungskonzept erstellt. Dieses wird Ihnen in einem weiteren Termin erläutert.

Der erstellte Behandlungsplan wird nun von uns zu Ihrer Krankenkasse gesandt. 2-4 Wochen später kann dann, nach erteilter Genehmigung, mit der Behandlung begonnen werden. Bei Privatpatienten ist die eigenständige Einreichung des Heil- und Kostenplanes bei der jeweiligen Versicherung erforderlich.
Nach einer ausführlichen Behandlungsbesprechung erfolgt die Eingliederung der herausnehmbaren, bzw. die Vorbereitung für die feste Zahnspange. Bei einer geplanten festsitzenden Apparatur vereinbaren wir 1-2 kurze Termine zur Vorbereitung und einen längeren Einsetztermin. Letzterer findet an einem Vormittag statt.

Die Kontrollen bzw. das Neujustieren sowohl der herausnehmbaren, als auch der festsitzenden Zahnspange erfolgt meist in Abständen von 6-8 Wochen.
Was sind “kieferorthopädische Indikationsgruppen” – “KIG”?
Die kieferorthopädischen Indikationsgruppen gelten durch einen Beschluss des Bundesausschusses der Zahnärzte und Krankenkassen und traten im Januar 2002 in Kraft. Anhand des sogenannten KIG-Systems bewertet der Fachzahnarzt für Kieferorthopädie (Kieferorthopäde), ob der Grad der vorliegenden Fehlstellung in die Leistungspflicht der gesetzlichen Krankenkassen fällt. Erst ab einer Einstufung in den Behandlungsgrad 3, 4 oder 5 übernehmen die Krankenkassen die Kosten für eine kieferorthopädische Behandlung.
Schmerzen der Zähne
Nach dem Einsetzen der festen Zahnspange und jedem Einsetzten eines neuen Drahtes können die Zähne schmerzen und kauempfindlich sein. In den ersten Tagen empfiehlt es sich, auf harte Nahrung zu verzichten. Zudem können Kühlpackungen die Schmerzen lindern. Der Druck auf die Zähne klingt in der Regel nach den ersten 3-4 Tagen ab.

Druckstellen bzw. wunde Stellen im Wangen- und Zungenbereich: Generell ist eine gewisse Eingewöhnungszeit an die Apparatur normal. Druckstellen und Empfindlichkeiten im Wangen- und Zungenbereich klingen in der Regel nach einer Woche ab. Es empfiehlt sich, diese Stellen mit dem mitgegebenen Schutzwachs abzudecken. Dazu eine kleine Portion abnehmen, weich kneten und auf das trockene Bracket, Band oder Bogenende auftragen und gut festdrücken. Spülen mit Kamillosan, Kamillen- oder Salbeitee beschleunigt die Abheilung. Wenn keine Besserung eintritt, bitte einen Notfalltermin vereinbaren.

Bracket oder Band gelöst: Wenn sich ein Bracket oder ein Band gelöst hat, bitte umgehend einen Termin mit uns vereinbaren, damit das Bracket wieder eingefügt werden kann. Eine möglichst schnelle Wiederbefestigung des Brackets oder anderer gelöster Teile ist wichtig, da ansonsten das gewünschte Behandlungsziel nicht erreicht oder das bereits erreichte Ergebnis wieder verloren gehen kann. Zusätzlich besteht die Gefahr, dass sich in dem Spalt zwischen Bracket/ Band und Zahn Speisereste ansammeln können, die bei längerem Bestehen zu Entkalkungen (dauerhaft bleibenden weißen Flecken) des Zahnschmelzes führen können. In der Regel ist es nicht notwendig, den zahnärztlichen Notdienst aufzusuchen, da dort keine gelösten Zahnspangenteile wieder befestigt werden können.
Bogenende (Draht) pikt
Bitte das störende Bogenende mit dem von uns mitgegeben Schutzwachs abdecken. Bitte kurzfristig einen Notfalltermin mit uns vereinbaren.
Gummis oder Drahtligaturen gelöst
Ein gelöstes Gummi oder eine gelöste Drahtligatur kann beim nächsten Termin ersetzt werden. Sollte eine größere Anzahl verloren gegangen sein, bitte einen Notfalltermin vereinbaren.
Retainerklebestelle gelöst
Um ein Verschieben eines oder mehrerer Zähne zu verhindern bitte möglichst schnell einen Notfalltermin vereinbaren.
Gaumen-/Zungenbogen gelöst
Falls sich der gesicherte Bogen gelockert hat, bitte vorsichtig versuchen, diesen in das Schloss zurückzustecken. Wenn dies nicht möglich ist, der Bogen gebrochen oder verbogen ist, bitte schnell einen Notfalltermin vereinbaren.
Gummikette gerissen
Sollten sich Lücken bilden oder Scheuerstellen entstehen, bitte kurzfristig einen Termin vereinbaren.
Zahnlücken entstanden
Manchmal ist es möglich, dass es während der Behandlung durch das Verschieben der Zähne zu kleinen Lücken kommt. Dieses ist in geringem Maße normal, die Lücken werden im Laufe der Behandlung wieder geschlossen.
Beeinträchtigungen beim Sprechen
Je nach Zahnspangenvariante kann es in der ersten Woche nach dem Einsetzen zu leichten Beeinträchtigungen beim Sprechen kommen. Diese klingen in der Regel bald wieder ab.
Beeinträchtigungen beim Sprechen und Schluckbeschwerden
In den ersten zwei Wochen können Beeinträchtigungen beim Sprechen und Schluckbeschwerden auftreten. Diese klingen in der Regel bald wieder ab.
Dauerhafte Schmerzen / Zahnspange passt nicht
Bei dauerhaften Schmerzen oder wenn die Zahnspange nicht richtig sitzt, kann zunächst versucht werden, die Spange 2-3 mal zurückzustellen, also in entgegengesetzter Pfeilrichtung. Hilft auch dieses nicht, sollte umgehend ein Termin zur Korrektur der Zahnspange vereinbart werden.
Schraube lässt sich nicht drehen
Sollte sich eine oder mehrere Schrauben an der Zahnspange schwer oder gar nicht drehen lassen, können diese mittels eines Tropfens Olivenöl “geölt” werden. Hilft dies nicht, sollte ein Termin vereinbart werden.
Verlust oder Beschädigung der Zahnspange
Bei Verlust oder Beschädigung der Apparatur muss umgehend ein Termin vereinbart werden.